Artikel 50 ist in Kraft getreten. Das Vereinigte Königreich hat zwei Jahre Zeit, um das Durcheinander zu beseitigen und um sicherzustellen, dass es finanzielle Vorteile behält, sodass ein EU-Austritt sich lohnt. Die City of London wurde bereits gewarnt, sich auf ein Worst-Case-Szenario vorzubereiten, wenn ein NO-DEAL-Brexit mit Europa Wirklichkeit wird. Das Ergebnis könnte für das globale Finanzsystem in den kommenden Jahren von großer Bedeutung sein. Aber wie sind wir in diese Position gekommen, und sind da noch ernstere Risiken zu befürchten? Ich denke, wir haben das Potenzial für eine weitreichende europäische Instabilität völlig unterschätzt.

1

Die Ursprünge der EU

Die EU war in jeder Hinsicht so aufgestellt, dass Frankreich und Deutschland nie wieder gegeneinander Krieg führen würden. Seit 1945 ist Deutschland Europas größter Produzent, auch dadurch, dass der Fokus auf Waren- und nicht mehr auf Waffenproduktion lag.

Was 1951 als Europäische Gemeinschaft für Stahl und Kohle mit 6 Nationen begann, ist jetzt die 28-Nationen-EU mit einem ideologischen Mantra der “immer engeren Union” geworden. Die Finanzkrise von 2008 hat die Union jedoch schwer getroffen und viele dazu veranlasst, die Gültigkeit einer solchen Ideologie in Frage zu stellen.

2

Diese Union führte 19 der 28 Mitglieder zur einheitlichen Währung – den Euro – und alle 28 Mitglieder, mit Ausnahme des Vereinigten Königreichs und Dänemarks, verpflichten sich, dem Euro beizutreten, sobald sie die Anforderungskriterien erfüllt haben.

Die Herausforderungen – alte Ängste tauchen wieder auf       

Schmerzlich offensichtlich ist jetzt, dass viele Beitrittsländer nicht bereit und in der Lage waren, diesen Schritt zu gehen, als der Euro 1999 eingeführt wurde. In allen Ländern sollten die Inflationsraten, die Verschuldung und die Arbeitslosigkeit innerhalb verschiedener Grenzen liegen. Das Problem war, dass einige Länder diese nicht festsetzten. Die Eurokrise hat diese Schwachstellen insbesondere in Ländern wie Griechenland aufgedeckt.

Europa hat sieben Jahrzehnte Frieden gesehen, aber was ist mit Deutschland? Es war eines der friedlichsten (und zurückhaltenden) Mitglieder seit 1945. Aber wenn die EU zerbricht, werden die alten Ängste vor Deutschland wieder auftauchen?

Als Europas reichste Nation und als drittgrößter Exporteur von Waren und Dienstleistungen der Welt ist Deutschland nicht gewillt, zu sehen, dass seine engsten Handelspartner in Protektionismus fallen, wenn das diesen möglicherweise helfen könnte.

Das Erbe des Zweiten Weltkrieges hängt immer noch über Deutschland, besonders in der Außenpolitik und auf globaler Ebene, wo es manchmal schwierig ist, Deutschlands Stimme überhaupt zu hören. Aber schauen Sie zuhause genauer hin, und die Sprache und Stimme – oder Nicht-Stimme – ist viel aussagekräftiger, besonders dort, wo Ereignisse das deutsche Wirtschaftspotenzial erheblich beeinflussen können.

3

Deutschland war 2014 am Sturz des ukrainischen Präsidenten Janukowytsch beteiligt und kritisierte die “Annexion” der Krim durch Russland. Aber angesichts der Gaspipelines aus Russland hat es seine Kritik im Vergleich zu anderen Staaten gemildert, da es wesentlich stärker von russischer Energie abhängig ist als Länder wie Großbritannien.

So ist Deutschland zwar fest in Westeuropa verwurzelt, es ist aber nicht von vornherein zu erwarten, dass es seinen Fokus nicht auf den Osten verlagern wird, wenn die EU anfängt, sich deutlich zu entflechten.

Was ist mit dem Vereinigten Königreich?

Das Vereinigte Königreich pflegte schon immer mit seinen Nachbarn zusammenzuarbeiten, um Macht und Einfluss zu erhalten. Dies ist in letzter Zeit etwas zurückgegangen. Wo es keinen Einfluss mehr ausüben kann, etwa zwischen Deutschland und Frankreich, ist es abwesend und konzentriert sich auf kleinere Länder und schmiedet Allianzen, auf deren Grundlage politische Diskussionen geführt werden.

Als Insel hat es natürliche Vorteile wie Grenzsicherheit, fruchtbares Land, Zugang zu Meeren und Fischbeständen. Es ist nahe genug an Kontinentaleuropa, um mit ihm zu handeln, und wird dennoch geschützt, da es ein Inselstaat ist. Solche Bedingungen halfen dem Vereinigten Königreich schließlich, eine globale Macht zu werden (obwohl das heute etwas verringert ist). Aber die “Erinnerung”, eine Großmacht zu sein, ist immer noch sehr präsent, aber eigentlich ein Stachel im Kollektiv der Menschen.

4

40 Jahre nach dem Beitritt zur EU wissen wir immer noch nicht, ob wir Europäer oder Briten oder eine Mischung von beiden sind, oder sein wollen. Unsere zeitlose Politik, “den Kuchen zu wollen und dann auch zu essen”, hat unsere engsten europäischen Partnern immer verzweifeln lassen.

Das Referendum wurde offenbar um drei Hauptthemen ausgetragen:

  • Einwanderung
  • Souveränität
  • Misstrauen gegenüber dem Establishment

Das bekannte Ergebnis des Referendums wäre wesentlich anders ausgefallen, wenn nur Personen unter 60 Jahren hätten wählen dürfen. Hätte der Stimmzettel jedoch gefragt, ob wir in Europa bleiben wollen, aber mit den oben genannten Themen umgehen könnten, würde ich spekulieren, dass eine deutliche Mehrheit “Ja” gesagt hätte.

Eine neue Beziehung verhandeln

Großbritannien ist jetzt “RAUS”. Eine Aufhebung der alten Mitgliedschaft würde bedeuten, dass man sich auf neue Handelsbeziehungen und Verpflichtungen wie Freizügigkeit, Einführung neuer Zölle und Barrieren einigen müsste. Es müssten eine Reihe internationaler bilateraler Handelsabkommen festgelegt werden, sowie die eigene Führungspolitik einer kritischen Betrachtung unterziehen, da die Souveränität des EU-Rechts keine Anwendung mehr finden wird.

5

Die Scheidung mit der EU und die damit verbundene Unsicherheit wäre schädlich für die britische Wirtschaft und hätte erhebliche Auswirkungen auf die übrigen EU-Mitgliedstaaten. Die Exporte, die Lieferkette, die Investitionen und die Interessen vieler Unternehmen wären stark betroffen. Die wahrscheinlich größten Auswirkungen wären in den Kosten für die Beschaffung von Finanzmitteln in Europa zu spüren.

Führende europäische Finanzvertreter wollen wirtschaftlichen Schaden abwenden, aber politische Führer sagen, dass die Verhandlungen rücksichtslos sein werden, um andere Mitglieder davon abzuhalten, Großbritanniens Beispiel zu folgen. Die EU scheint zu zersplittern, und zur gleichen Zeit beginnt die NATO, zu wackeln.

Ein ‘Lackmus’-Test

Können wir wirklich den Beginn des Endes des großen EU-Experiments erleben? Ist die Rückkehr in ein Europa der souveränen Nationalstaaten lebensfähig, in dem jedes Land in einem Gleichgewicht des Machtkampfs um Bündnisse wetteifert? Für die Deutschen ist es eine Angst vor der Einkreisung durch Russland und Frankreich. Für Frankreich ist es eine Angst vor Deutschland.

6

Bei den niederländischen Wahlen im März gewann der Anti-EU-Populist Geert Wilders viel an Macht, während die bevorstehenden Wahlen in Frankreich im April und Mai zu den unberechenbarsten der Geschichte gehören. Marine Le Pen versprach, Frankreich aus der gemeinsamen Währung zu entfernen. Die deutschen Wahlen im September werden Merkels größte Prüfung sein. Jede politische Abkehr von einer “immer engeren Union” würde sicherlich das Ende der EU und das Ende des Euro, wie wir ihn kennen, signalisieren.

Folgen Sie uns weiter und traden Sie mit Tickmill!

Diesen Beitrag weiterempfehlen: